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Fuhrpark 2022 – Neues Jahr, neue Trends?

Wenn Sie gerade eine neue E-Klasse Limousine kaufen möchten, haben Sie die Wahl: Ein Ausstellungsmodell? Oder doch ein Vorführfahrzeug? In jedem Fall brauchen Sie Glück. Neubestellungen mit eigener Konfiguration sind bei der E-Klasse von Mercedes-Benz seit Mitte Februar nicht mehr möglich, jetzt geht es um Bestandsfahrzeuge. Laut Hersteller sind Produktionskapazitäten für die aktuelle E-Klasse erschöpft – die Vermutung liegt nahe, dass Chipmangel zumindest eine der Ursachen ist. Auch für die andauernde Knappheit von Fahrzeugen bei anderen Herstellern. Aber der Reihe nach. Beim Blick auf die Fuhrparktrends 2022:

Trend 1: Neue Mobilitätsangebote und mehr Flexibilität

Ist mein bestehendes Firmenwagenmodell noch zeitgemäß oder benötigen meine Mitarbeiter mehr und flexiblere Mobilitätsalternativen? Das ist auch in 2022 die Frage vieler Fuhrparkbetreiber, die sich an Modernisierung ihrer PKW- und Mobilitätsrichtlinien machen. An Anbietern und Lösungen mangelt es zumindest in Ballungsgebieten nicht. Sobald der Firmensitz oder der Wohnsitz des Mitarbeiters außerhalb liegt, muss das Unternehmen auch weiterhin genau schauen, inwiefern Mobilitätsbudget & Co. ein sinnvoller Benefit für den Mitarbeiter ist. Im Ländlichen Raum ist das Angebot nämlich weiterhin mager. Hier können Jobrad, Langzeitmieten oder Auto-Abo-Modelle eine Alternative sein, wenn Kosten und rechtliche Themen wie Halterpflichten passen.

Trend 2: Mehr Nachhaltigkeit und Einsatz von Elektromobilität

Nachhaltigkeit im Fuhrpark ist in vielen Köpfen mit dem Einsatz von Elektromobilität verbunden. Auch in diesem Jahr gehen Experten davon aus, dass der Anteil an Elektrofahrzeugen in Fuhrparks weiter steigt. Zwar sind in Flotten noch ein erheblicher Anteil an Hybridfahrzeugen vertreten, mit besseren Reichweiten der rein elektrischen Fahrzeuge und dem Ausbau der Ladeinfrastruktur wird dieser Anteil immer geringer. Eine gute Entwicklung, denn in vielen Fällen bewirkt die Nutzung von Hybridfahrzeuge in der Praxis mehr Steuervorteile für den Mitarbeiter als es gut für die Umwelt ist. Unternehmen, die es mit Nachhaltigkeit wirklich ernst meinen, haben hierauf bereits reagiert und ihre Richtlinien darauf ausgerichtet. Wie Flottenbetreiber über Elektromobilität hinaus die Nachhaltigkeit steigern können, lesen Sie in unserem Blogbeitrag: Nachhaltigkeit im Fuhrpark. Einer der wichtigsten Fuhrparktrends 2022.

Trend 3: Digitalisierung von Prozessen und Vernetzung

Ein Trend schon aus den letzten Jahren und der im wesentlichen zwei Bereiche beinhaltet: einerseits lassen sich in Unternehmen immer noch viele Prozesse digitalisieren und damit Kosten in der Abrechnung und der Fuhrparksteuerung senken. Aber auch für Nutzer gibt es Vorteile, z.B. mit dem Einsatz von Apps und Portalen der Leasinganbieter lassen sich viele Dinge zeitsparend erledigen. Digitalisierung im Fuhrparkmanagement ist übrigens nicht mehr nur großen Konzernen vorbehalten, sondern mittlerweile auch für kleinere Flotten interessant.
Parallel hierzu schreitet die Fahrzeug-Vernetzung durch immer umfangreichere Softwarelösungen in den Autos voran. Entweder als Werksausstattung oder von Drittanbietern z.B. in Form von elektronischen Fahrtenbüchern. Nicht umsonst werden Auto-Messen wie eine IAA immer mehr als „CeBIT der Straße“ wahrgenommen. Allerdings ruft der steigende Einsatz von vernetzten Systemen in Fahrzeugen auch immer öfter den Datenschutz auf den Plan.

Trend 4: Knappe Fahrzeugverfügbarkeiten und steigende Fahrzeugpreise

Bereits vor einem Jahr gab es erste Auswirkungen des Chip-Mangels bei Autoherstellern. Zu dem Zeitpunkt hatte man mit einer Erholung des Marktes innerhalb weniger Monate gerechnet. Mittlerweile hat sich die Lage verschärft, sind Rohstoffpreise gestiegen und auch in anderen Bereichen der Zuliefererkette herrscht Knappheit. Fahrzeughersteller haben Kapazitäten heruntergefahren und priorisieren margenstarke Modelle. Eine Folge für Fuhrparkbetreiber: Fahrzeugpreise steigen, wenn überhaupt Autos lieferbar sind. Und es betrifft nicht nur die Anschaffung von Fahrzeugen, sondern auch andere Mobilitätsbereiche wie Mietwagen: mancher Vermieter hat z.B. Langzeitmieten zeitweise ganz aus dem Programm genommen.

Trend 5: Anbieterkonsolidierung

War in den vergangenen Jahren eine Konsolidierung bei Fahrzeugherstellern (OEMs) zu beobachten, trifft es aktuell die Leasinggesellschaften: Erst kürzlich sind zwei Zusammenschlüsse von Fuhrparkmanagement- und Leasinggesellschaften erfolgt. So hat für den Merger von Wheels, Inc. und Donlen der Autovermieter Hertz seine Donlen-Anteile an die Investmentgesellschaft Athene Holding verkauft, die ihr Angebot an Mobilitäts-Services damit vervollständigt. Und mit dem Kauf von LeasePlan durch ALD gehen gleich zwei weitere global agierende Fleet-Management Firmen künftig einen gemeinsamen Weg. Erfahrungsgemäß sind bei solchen Zusammenschlüssen die Unternehmen weitestgehend mit der eigenen Organisation beschäftigt, sodass in diesem Jahr noch nicht mit nennenswerten Veränderungen für Fuhrparkbetreiber zu rechnen ist. Dennoch sollte man mittelfristig aufgrund weniger Wettbewerb auch hier steigende Preise erwarten.

Trend 6: Steigende Energiekosten

Experten sind sich einig: Auch 2022 werden Energiepreise weiter steigen. Bereits seit einigen Monaten steigen die Preise so an, dass einige Stromanbieter aufgrund fehlender Preissicherung mittlerweile insolvent sind. Für Fuhrparkbetreiber schlagen die Energiepreise natürlich unmittelbar durch, denn Kraftstoff- und Stromkosten zählen zu den größten Kostenblöcken in Fahrzeugflotten. Verstärkt wird der Preistrend durch Politik und Regulierungen auf dem Weg von fossilen zu erneuerbaren Energiequellen. Und ganz aktuell durch die herrschende Situation in der Ukraine sowie die Frage, woher wir künftig unser Gas beziehen. Die anstehende Abschaltung weiterer Kohle- und Atomkraftwerke in diesem Jahr wird die Nachfrage nach Gas weiter steigen lassen. Zwar ist die Senkung bzw. Wegfall der EEG Umlage geplant, dies wird die Steigerungen aber nicht kompensieren.

Fazit

Einige der genannten Fuhrparktrends sind schon seit Längerem auf der Agenda der Flottenbetreiber. Mit der eigenen Situation vor Augen sollte man sich als Verantwortlicher gerade bei Trendthemen die Fragen stellen: Was davon ist wirklich relevant für mein Unternehmen? Was löst mir ein spezifisches Problem? Oder stellt mich ggfs. vor neue Herausforderungen? Denn am Ende des Tages muss jedes Unternehmen auch weiterhin bewerten, wie sich Veränderungen im Zusammenhang mit der Mobilität auf die Kosten auswirken – direkt oder indirekt. Sicher ist: die Fuhrparkkosten werden in unterschiedlichen Bereichen steigen und Kostenmanagement bleibt eine Kernaufgabe des Fuhrparkmanagements.

Der Autor

Timo Darr

Timo Darr

Timo Darr ist Gründer und Inhaber von darr mobility concepts.

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